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Die Qualität der Stammdaten ist Wertschöpfung

Gespräch über einen ‒ manchmal unterschätzten ‒ Erfolgsfaktor

Die Qualität der Daten wird für Unternehmen zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor. Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Jan Oliver Reh, Senior Projektmanager der STREMLER AG, hat sich im Laufe seiner Beratertätigkeit bei STREMLER unter anderem auf das Thema der Stammdaten spezialisiert und gibt hier Einblick in seine Erfahrungen aus der Praxis.

1. Herr Reh, warum ist ein stabiles, dauerhaft hohes Qualitätsniveau der Stammdaten so wichtig? Kann der Einfluss dieser Daten auf die Wertschöpfung eines Unternehmens wirklich so groß sein?

Heutzutage fallen in den Unternehmen immer größere Mengen an Daten an. Intelligent verknüpft und sauber gepflegt sind diese Daten ein wahrer Schatz für die strategische und operative Unternehmenssteuerung.

Best-in-Class-Performance ist in Zukunft jedoch nur zu erreichen, wenn die Produktions- und Führungssysteme integriert arbeiten, die Regelkreise optimal verzahnt ablaufen und die Planung und Steuerung in Echtzeit erfolgt. Hierzu ist ein stabiles, dauerhaft hohes Qualitätsniveau der Daten essentiell. Deren Qualität wirkt sich also direkt auf die Wertschöpfung des Unternehmens aus.

Der Ansatz der STREMLER AG beinhaltet daher die kundenindividuelle Entwicklung und Implementierung eines Systems für ein nachhaltiges Stammdatenmanagement. Dieses stellt sicher, dass die Leistungsfähigkeit der Systeme zur Planung und Steuerung auch vollumfänglich genutzt werden kann.


2. Um welche Daten geht es hier genau?

Wer beim Begriff Stammdaten an Kunden, Lieferanten, Roh- oder Fertigmaterialien denkt und bei Bewegungsdaten an Kunden- oder Produktionsaufträge, sieht nur die Spitze des Eisberges. Neben diesen für die klassischen Kernprozesse notwendigen und oft auch bereits sehr umfangreichen Daten werden bei näherem Hinsehen noch viele andere sichtbar, die unternehmensweit und teilweise sogar über die Unternehmensgrenzen hinweg erforderlich sind.

Beispiele sind die Anbindung von Expertensystemen zur Maschinensteuerung, zum teilautomatisierten Wareneingang oder zur Energieflussmessung an das ERP-System, Klassifizierungssysteme für Beschaffung und Verkauf, die Kollaboration mit externen Dienstleistern oder die Dokumentation für Audits und Zertifizierungen.

Oft ist nicht nur die Vielfalt an Datenobjekten schwer zu überblicken, sondern auch die Verwendung und Speicherung in den unterschiedlichsten IT-Systemen. Anstelle des Ideals des im führenden ERP-System gehaltenen sogenannten „Golden Record“ finden sich in der Praxis oft Daten, die in verschiedenen Systemen redundant gespeichert und von unterschiedlichen Unternehmensbereichen gepflegt werden.


3. Was ist eigentlich Datenqualität? Können Sie uns diesen Begriff noch näher erläutern?


Bei der Beurteilung der Qualität müssen für jedes Stammdatenobjekt und jedes dort enthaltene Datenattribut unterschiedliche Regeln definiert werden. Dabei gehören der Befüllungsgrad oder der Abgleich von erlaubter und benötigter Zeichenanzahl noch zu den trivialen Prüfungen.

Kann die Prüfung von Kunden- oder Lieferantendaten oft noch auf etablierten Regelwerken basieren, müssen diese für kundenspezifische Datenobjekte wie Produkthierarchie oder Stücklistenauflösungen individuell definiert werden. Die Mühe lohnt sich: Nur über klar definierte und automatisiert prüfbare Regeln lässt sich ein Monitoring der Daten realisieren und für die Anwendung durch die Fachbereiche nutzerfreundlich gestalten.

Auswirkungen von Datendefekten im Unternehmen

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4. Warum sagen Sie, Stammdatenmanagement sei mehr als Daten und IT?

Die STREMLER AG wirbt für ein nachhaltiges Stammdatenmanagement, dass eine dauerhaft hohe Datenqualität auf Basis einer zentralen Data Governance mit standardisierten Prozessen, klaren Verantwortlichkeiten und hoher Transparenz sicherstellt.

Häufig werden Projekte zur Erhöhung der Datenqualität im Rahmen von Einführungen, Harmonisierungen oder Konsolidierungen von ERP-Systemen durchgeführt. Diese Projekte führen zunächst zu einer höheren Qualität, die jedoch oft nicht nachhaltig ist. Es entsteht ein klassischer Sägezahn-Effekt, da nach Abschluss der Projekte keine Prozesse zur Aufrechterhaltung der Qualität greifen und auch keine kontinuierliche Messung und Kontrolle erfolgt.

Erst eine zentrale, mit Kompetenzen und Kapazitäten ausgestattete Data Governance kann zu einer stabil hohen Datenqualität führen.

Datenqualität im Zeitverlauf

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5. Wie gehen Sie bei Projekten zur Optimierung von Stammdaten konkret vor?

Der Ansatz der STREMLER AG für ein ganzheitliches Stammdatenmanagement basiert auf einem bewährten Referenzmodell und berücksichtigt strategische, organisatorische und systemtechnische Faktoren. Erst durch die Abstimmung dieser Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen des Unternehmens lassen sich Verbesserungen planen, umsetzen und kontrollieren.

Projekte zur Erhöhung der Datenqualität sind immer abhängig von der individuellen Ist-Situation. Auf deren Basis werden die einzelnen Schritte zur Datenanalyse und -architektur, Pflege und Migration abgeleitet sowie die notwendige Stammdatenmanagement-Organisation und -Werkzeuge entwickelt.

Vorgehen zur Optimierung von Stammdaten

STREMLER Supply Chain Beratung_Grafik_Vorgehen zur Optimierung von Stammdaten
 

6. Wo sehen Sie den größten Erfolg und Nutzen eines konsequenten Stammdatenmanagements für ein Unternehmen?

Die Vorteile sind enorm, für manche Unternehmen können sie sogar kritische Erfolgsfaktoren sein, und lassen sich unter vier großen Bereichen zusammenfassen:

  • Sie schaffen eine stimmige, konsistente und dauerhaft richtige Datenbasis für Ihre kritischen Geschäftsprozesse
  • Sie vermeiden Fehler, Workarounds und Korrekturen und schaffen Freiräume für wertschöpfende Arbeit
  • Sie realisieren die Leistungsreserven Ihres Unternehmens in Bezug auf Best-in-Class-Performance
  • Sie ermöglichen effiziente und schnelle Rollouts auf weitere Standorte oder neue Unternehmensbereiche

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist darüber hinaus, dass eine hohe Datenqualität die einen reibungslosen, konfliktfreien Ablauf ermöglicht, die Motivation und Stimmung im Unternehmen sehr positiv beeinflusst.

Herr Reh, vielen Dank für das Gespräch.